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Trittauer Gesangverein von 1843 e.V. Mitglied des Sängerbund
Schleswig-Holstein e.V. |
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Berichte 1843Mehr Geschichte hier. "Ein fröhlich Lied..." - Der Trittauer Gesangverein von 1843 e.V.22 Herren haben sich aufgestellt, mit ernstem Blick schauen sie in die Kamera. Aber dass man so ernst schaut, ist wohl eher der Fototechnik geschuldet. Denn das Foto stammt aus dem Jahr 1878, die Fotografie steckte noch in den Kinderschuhen. Und eigentlich hatten die Herren wohl eher fröhliche Zusammenkünfte, denn es ist: der Trittauer Gesangverein! Das Foto wurde 35 Jahre nach der Gründung des Gesangvereins aufgenommen, vermutlich im Garten des Holsteinischen Gasthofes, vielen Trittauern später noch als "Holländers Gasthof" bekannt. Das Gründungslokal war jedoch ein anderes - wie überhaupt die Versammlungsstätte des Gesangvereins in der 160jährigen Geschichte häufig wechselte. Seinen Ursprung hat der Gesangverein im Gasthof Hinsch, einen Steinwurf von der Mühle entfernt. Dort trafen sich am 5. März 1843 zwanzig Männer, um den Trittauer Gesangverein aus der Taufe zu heben. Heute wird das gemeinsame Singen vor allem unter dem Aspekt der Geselligkeit betrieben. Damals aber, in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, hatte es auch eine politische Dimension. Deutschland bestand aus unendlich vielen Kleinstaaten, war alles andere als demokratisch. Doch die Menschen begannen sich zu emanzipieren, ein revolutionärer Gedanke machte sich breit. Man wünschte sich einen einheitlichen Nationalstaat mit einer freiheitlichen Verfassung. Die Bewegung gipfelte in der 1848er Revolution. Schleswig-Holstein war damals noch Teil Dänemarks, und auch bei uns im Lande entstand eine nationale und freiheitliche Bewegung. Sie begehrte gegen den dänischen Absolutismus auf und wünschte, dass ganz Schleswig-Holstein einem künftigen deutschen Nationalstaat angeschlossen würde. Und ein wichtiger Teil dieser Bewegung, die eine freiheitliche Verfassung in einem einheitlichen deutschen Nationalstaat forderte, waren die Gesangvereine. Wie Pilze schossen sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts allerorts aus dem Boden. über ihre Lieder transportierten sie politische Botschaften und brachten so den nationalstaatlichen und freiheitlichen Gedanken unter das Volk. Das Lied "Schleswig-Holstein, meerumschlungen...", das heute eher folkloristischen Charakter hat, hatte damals eine hohe politische Brisanz. Der erste musikalische Leiter und Dirigent des Trittauer Gesangverein war der "Rentier" Cropp aus Hamfelde. Beim Einstudieren der Lieder begleitete er die Männer auf der Flöte. Als "Rentier" bezeichnete man seinerzeit jemanden, der von Kapitaleinkünften lebte, er war also ein vermögender Mann. überhaupt lesen sich die Namen der Vereinsgründer wie ein Who-is-Who Trittau der damaligen Zeit. Es waren u.a. Justizrath und Amtsschreiber Wiedermann, Hausvogt Schlüter, Baron von Uslar, Apotheker Niemann und der Mühlenbesitzer Holst. Es waren allesamt hochgestellte Persönlichkeiten des dörflichen Lebens, Justizrath Wiedemann und Hausvogt Schlüter waren gar Bediente der Amtsverwaltung. Brisant, wenn man überlegt, dass sie für die Verwaltung des dänischen Staates arbeiteten. Während der Zeit des Überganges Schleswig-Holsteins an Preußen schlief die Arbeit des Gesangvereines für kurze Zeit ein. 1873 war es dann der Trittauer Kaufmann Heinrich Dievoß, der am 11. November die Männer wieder zusammentrommelte und den Gesangverein neu belebte. Von da ab traf man sich wieder regelmäßig und sang bis heute. Der Gesangverein nahm auch an vielen Sängerfesten teil. Schon 1845 sang man auf dem großen Sängerfest in Mölln, 1889 zum Beispiel in Eckernförde und 1924 auf dem großen Sängerfest in Hannover. Von dort brachte man 12 Sängerkrüge mit, deren Zinndeckel leider einer Metallspende während des Zweiten Weltkrieges zum Opfer fielen. Das Banner des Gesangvereins aber, das auch auf dem Foto zu sehen ist, hat bis heute überlebt. Es wurde schon kurz nach der Gründung des Vereins angeschafft. Der erste Leiter des Gesangvereins, der Rentier Cropp, gewährte dafür einen Kredit, den der Verein zunächst ratenweise bei ihm abbezahlte. Dann erklärte sich der Bruder des Mühlenbesitzers Holst bereit, den Rest zu bezahlen. Als Gegenleistung übergab man das Banner der Obhut Holst. Jahrelang wurde das Banner auf diese Weise in der Trittauer Wassermühle verwahrt. Am 16. März begeht der Trittauer Gesangverein sein 160jähriges Jubiläum in der Wassermühle. Dann wird das Banner wieder dort hängen, wo es schon vor über 150 Jahren sorgsam verwahrt wurde. Oliver Mesch |
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